Die Nüssli-Methode für Botschaften und Statements
Schlussendlich erinnern wir uns nicht an die Schale einer Nuss, sondern an den Geschmack der Nuss selbst. Der bleibt im Mund zurück.
Mit Kommunikation ist es genauso: Von allem, was wir sagen, bleibt am Ende nur ein Kern hängen. Gerade in einer Krise entscheidet dieser Kern, ob eine Botschaft ankommt. In unseren Kommunikationskursen bei metacom GmbH sprechen wir deshalb immer wieder von der Botschaft und dem Statement. Damit diese Struktur «hängen bleibt», habe ich die Metapher des «Nüssli» ins Leben gerufen.
Die Nüssli-Methode in einem Satz: Jedes Statement von rund 20 Sekunden enthält ein «Nüssli», eine Botschaft von 4 bis 8 Wörtern, die hängen bleiben soll.
Was ist eine Botschaft?
Die Botschaft ist das Kernstück, also das «Nüssli», eines Statements. Sie ist 4 bis 8 Wörter kurz, einfach und verständlich. Es ist die Information, die bei der Zielgruppe ankommen muss und hängen bleiben soll. Darum das «Nüssli».
Eine Botschaft ist also ein Handlungsaufruf, ein Wert oder die wichtigste Information, die man übermitteln will. Sie steht jedoch nicht allein, sondern wird von Informationen und Fakten «ummantelt», was das Ganze zu einem Statement macht.
Beispiel einer Botschaft: «Bleiben Sie zuhause». Diese Botschaft kennen wir alle, und für alle ist klar, was es heisst.
«Wir wollen transparent informieren» ist keine Botschaft. Hierbei geht es darum, «wie» man informieren möchte. Das Informieren selbst ist aber the bare minimum in der Kommunikation.
Was ist ein Statement?
Das Statement ist die ganze Nuss mit Schale, in unserem Beispiel die Erdnuss. In einem aufgezeichneten TV-Interview sollte das Statement rund 20 Sekunden lang sein. Das Statement ist somit die Aussage auf die Frage des Journalisten oder der Journalistin. Im journalistischen Fachjargon wird das Statement «Quote» genannt. Im Statement ist die Botschaft enthalten.
Wieso aber nur 20 Sekunden?
Die 20 Sekunden haben zwei praktische Gründe.
Grund 1: Die Zeitlimite
Die Nachrichtensendung hat eine Zeitlimite, ergo haben auch die Nachrichtenbeiträge eine Zeitlimite. Diese wird immer kürzer. Ich kann mich gut an meine Anfangszeit im Videojournalismus 2018 erinnern: Damals haben wir 4-minütige Videos auf die News-Webseite hochgeladen, noch ohne Werbeeinspieler, und mehrere tausend Menschen haben das ganze Video geschaut. Heute, 2026, undenkbar. Die Videobeiträge sind 1 bis maximal 3 Minuten lang.
Die Struktur ist klar:
- Zuerst wird ins Thema eingeleitet, danach folgt das erste Quote der betreffenden Person, Unternehmung, Institution usw. Damit sind schon 40 bis 45 Sekunden weg.
- Es folgt wieder ein Off-Text, meistens über die Vorgeschichte oder weitere wichtige Fakten, und dann das nächste Quote vom Protagonisten oder einem anderen Protagonisten. Wir sind bei 1 Minute 20 bis 30 Sekunden.
- Danach kommt der Schluss-Off, und zwei Minuten sind erreicht.
Mehr geht kaum in einen journalistischen Beitrag, weder im TV, geschweige denn im Radio.
Grund 2: Das Gedächtnis
In meiner Erfahrung kann man sich nicht alles merken, was eine Person sagt, wenn die Aussage länger als 20 Sekunden dauert. Du glaubst mir nicht? Lass dir 20 Sekunden von deiner Kollegin oder deinem Kollegen etwas sagen und wiederhole es danach wortwörtlich. Nein, nicht paraphrasieren, sondern Wort für Wort. Merkst du, wie viel Konzentration es braucht? Bringst du diese Konzentration auf, wenn du Informationen konsumierst? – Schön, dass wir darüber gesprochen haben.
Wie bekomme ich jetzt das Nüssli in die Nuss?
Hier gibt es wieder tonnenweise Metaphern, wie das Ganze aufgebaut werden kann, vorne mit dabei bei meinen Studierenden: «der Burger». Aber bevor wir jetzt noch alle Lebensmittel durchkauen: Als Kommunikationstrainerin ist es mir egal, welche Metapher du brauchst, um dir etwas zu merken, oder welches Werkzeug du brauchst. Mir ist wichtig, dass meine Trainees letztlich ihr Kommunikationsziel und ihre Zielgruppe erreichen, und das geht nur, wenn sie die Botschaft in ihrem Statement platzieren. Ich möchte nicht riskieren, dass ihre Aussage zu lang oder zu kurz ist und der oder die JournalistIn dann am Quote rumbasteln muss, damit der Beitrag in der Länge aufgeht. Stattdessen trainiere ich sie darin, ihre Aussagen auf rund 20 Sekunden zu bringen.
Zunächst, ganz wichtig: Wenn ein Medium eine Frage stellt, beantworte sie. Auch wenn du sie nur zum Teil beantwortest. Die Frage fällt nicht vom Tisch, wenn du nichts dazu sagst. Sie wirbelt nur Spekulationen und Ungewissheit auf. Wenn du sie nicht beantworten darfst oder nicht kannst, dann sag es transparent und proaktiv.
Gut.
Die Formel
- Du beantwortest die Frage mit 1 bis 2 Informationen oder mit einem Situationsupdate.
- Du wendest die Bridging-Technik an, also die Überleitung von deiner Antwort zu deiner Botschaft. (Wie das genau funktioniert, zeige ich im nächsten Beitrag.)
- Botschaft.
So klingt das in der Praxis
Die Journalistin fragt: «Warum wurde die Bevölkerung nicht früher informiert?»
Das Statement, rund 20 Sekunden:
«Wir haben die Warnung ausgelöst, sobald wir vom Brand erfahren haben. Seither sind Feuerwehr und Polizei im Einsatz. Am wichtigsten ist, dass jetzt alle in der Region zuhause bleiben.»
- Die ersten zwei Sätze beantworten die Frage.
- «Am wichtigsten ist» ist die Brücke.
- Der Rest ist das Nüssli.
Fertig.
Ja, so einfach ist es und gleichzeitig so schwierig umzusetzen, vor allem in stressigen Krisensituationen. Und darum üben wir diese Formel in unseren Kursen, im 1:1, in Medientrainings und in Krisensimulationen. Sitzt die Formel einmal, kann man damit rumspielen. Denn es gibt Situationen, in denen man am besten mit der Botschaft beginnt oder vielleicht gleich mit der Bridging-Technik.
So oder so: In der Kommunikation braucht es immer ein Nüssli. Mach dir im Vorhinein klar, was beim Zielpublikum hängen bleiben soll, wenn du das nächste Mal einen LinkedIn-Post schreibst, eine Rede vorbereitest oder ein Interview gibst.
Die Nüssli-Methode wird bei metacom seit 2023 in Kursen, Medientrainings und Krisensimulationen vermittelt. Dieser Beitrag hält sie erstmals schriftlich fest.
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Quelle: Koch, T. (2026): Die Nüssli-Methode. metacom GmbH, metacom.ch/nuessli-methode (in Kursen seit 2023, schriftlich erstveröffentlicht am 28. Oktober 2026)